Sexualstrafrecht

Der Vorwurf der sexuellen Nötigung, der Vergewaltigung oder gar des sexuellen Kindesmissbrauchs kann die bürgerliche Existenz vernichten. Nirgendwo sonst sind Empörung und soziale Missbilligung derart groß, nicht einmal im Gefängnis kann der verurteilte Sexualstraftäter auf Gnade im Kreis der Mitgefangenen hoffen.

Nirgendwo sonst gibt es einen vergleichbar hohen Anteil an falschen Beschuldigungen. Schon ein Klassiker sind erstmalige Behauptungen über angeblich begangene Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch in Scheidungs- und Sorgerechtsverfahren.

Zahlreiche Prozesse mit großer Öffentlichkeit wie die Wormser Verfahren oder das Montessori-Verfahren haben gezeigt, welche entsetzlichen Folgen durch suggestive Befragung von Kindern durch ungeschultes oder voreingenommenes Personal eintreten können.

Meist steht die Aussage des – wirklichen oder vermeintlichen – Opfers gegen die Aussage des Beschuldigten. Die Forderung des Bundesgerichtshofs, in solchen Fällen sei die Beweiswürdigung „besonders sorgfältig“ vorzunehmen, bleibt infolge ihrer Unschärfe unbeachtet oder verkommt zum Lippenbekenntnis.

Aufgabe der Verteidigung ist, schon für eine besondere Sorgfalt in der Beweisaufnahme zu sorgen. Zeugenbefragung und Aufklärung der Entstehungsbedingungen einer Aussage stehen hier im Mittelpunkt und erfordern aussagepsychologische Kenntnisse. Dies gilt umso mehr, wenn – wie meist – ein aussagepsychologisches Gutachten bereits erstattet wurde und eine Auseinandersetzung mit der Methodik und inhaltlichen Stimmigkeit des Gutachtens erforderlich ist, gegebenenfalls auch unter Mithilfe eines externen Sachverständigen.